Mittwoch, 13. Oktober 2010

Transfermarkt-Interview


Mazan Moslehe (Foto) spielte in der Jugend des Hamburger SV, wechselte dann zum SV Kapfenberg nach Österreich und ist seit Sommer dieses Jahres vereinslos. Im Transfermarkt.tv-Interview erzählt der 20-jährige Stürmer Sven Grothues warum er in Österreich kein einziges Spiel absolvierte, räumt mit dem Gerücht auf, er sei einfach verschwunden und erklärt, wie seine Karriere durch eine Messerattacke fast frühzeitig zerstört worden wäre.


Transfermarkt.de: Herr Moslehe, Ihr erstes Spiel für die A-Jugend des Hamburger SV war sehr erfolgreich. Kurz vor Schluss lag die Mannschaft noch 0:3 zurück, dann kamen Sie rein. Was passierte daraufhin?

Mazan Moslehe: Das war mein erstes Spiel für die A-Jugend, richtig. Ich war eigentlich im älteren Jahrgang der B-Jugend, wurde aber dennoch nach Erfurt mitgenommen. Wir lagen in der 80.Minute 0:3 zurück und spielten seit der 66. nur noch zu zehnt, da Fatih Altundag vom Platz gestellt wurde. Das Spiel war eigentlich schon erledigt als ich eingewechselt wurde. Ich habe dann von der Mittellinie einfach mal rauf gehalten weil der Torwart ein bisschen zu weit vorm Tor stand und der Ball fiel als Bogenlampe wirklich rein, wodurch es 3:1 stand. Wir waren immer noch ruhig, bis Patrick Posipal das 3:2 schoss und wir merkten: „Da ist vielleicht doch noch etwas drin.“ Wie aus dem nichts hab ich dann das 3:3 gemacht. Danach wollten wir unbedingt noch gewinnen. Wir haben nur noch angegriffen und gestürmt und „Posi“ erzielt dann das 4:3 und wenig später mache ich sogar noch das 5:3. Das war mit Abstand mein bestes Spiel und ein absolutes Highlight meiner Karriere.

Transfermarkt.de: Sie haben also als B-Jugend-Spieler in Unterzahl noch drei Tore zum 5:3-Sieg des A-Jugend Teams beigesteuert. Ein beachtlicher Einstieg.

Mazan Moslehe: Ja, das war ein unglaublich schönes Gefühl.

Transfermarkt.de: In den Jahren danach lief es beim HSV eher durchwachsen. Sie sind Offensiv-Allrounder, schossen aber nicht mehr als drei Tore pro Spielzeit. War das letztendlich auch der Grund, warum Sie kein Angebot vom HSV bekamen, oder hatten Sie ein Angebot, wollten es aber nicht annehmen?

Mazan Moslehe: Die letzten beiden Jahre in der A-Jugend des HSV sind für mich nicht gut gelaufen, da hatte ich einfach Pech. Ich musste mit Verletzungen kämpfen und selbst wenn ich gespielt habe lief es nicht sehr gut. Mit Rodolfo Cardoso hatte ich aber einen Trainer, der immer an mich geglaubt und mich immer gefördert hat. Ohne Ihn, das kann ich heute sagen, wäre ich nie so weit gekommen und heute nicht der, der ich bin. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Am Ende der A-Jugend wollte er mich auch zu den Amateuren holen, allerdings war Jens Todt der Chef des Leistungszentrums. Er hatte leider eine andere Meinung und kein Interesse an mir. Da er das Sagen hatte musste ich den Verein verlassen. Das war für mich sehr schade, denn ich hätte gerne weiter unter Cardoso gespielt. Er war mein Mentor und hat alles für mich gegeben.

Transfermarkt.de: Stattdessen sind Sie mit 19 Jahren nach Österreich zum SV Kapfenberg gewechselt. Wie war das für Sie, so jung in ein anderes Land, weit entfernt von Hamburg, zu ziehen.

Mazan Moslehe: Es war sehr ungewohnt und ich musste mich erst mal einleben. Ich hatte aber das Glück, dass mit Raphael Wolf ein weiterer Ex-Spieler des HSV da war. Er war übrigens auch bei dem Spiel in Erfurt dabei, von dem ich anfangs sprach. Mit ihm war es leichter, denn er war bereits drei Monate vorher in Kapfenberg und konnte mir daher viel zeigen. Am Anfang war es aber dennoch eine schwere Zeit.

Transfermarkt.de: In Kapfenberg spielen erstaunlicherweise einige Ex-HSVer. Milan Fukal Umut Kocin oder der eben angesprochene Raphael Wolf zum Beispiel. Es wird immer gemunkelt, dass es eine Kooperation zwischen dem HSV und Kapfenberg gibt, aber offiziell liest man nichts davon.

Mazan Moslehe: Also offizielles weiß ich davon auch nicht. Ich weiß nur, dass beispielsweise mein Ex-Berater Thies Bliemeister gute Kontakte nach Kapfenberg hat und auch einige Spieler dort unterbringen konnte. Man kann sich dort einfach sehr gut zeigen und präsentieren. Der Präsident von Kapfenberg hat wohl auch Kontakte zum HSV wodurch der etwas intensivere Austausch entstanden sein könnte.

Transfermarkt.de: Sie haben bereits Raphael Wolf angesprochen, der aktuell bei Kapfenberg im Tor steht und über den man viel Gutes hört. Was ist das für ein Typ? Hat er das Potenzial beispielsweise in der deutlich stärkeren deutschen Bundesliga zu spielen?

Mazan Moslehe: „Rafa“ ist in meinen Augen ein überragender Torhüter. Er ist noch ziemlich jung und dennoch schon sehr erfahren. Wenn man sich mal ein Spiel von ihm anschaut ist man wirklich überrascht was der für Bälle rausholt. Ich sehe in ihm einen Riesen-Torwart, der meiner Meinung nach auch locker in der 1.Bundesliga mithalten kann. Er ist wirklich überragend und ich erwarte ihn über kurz oder lang auch in der höchsten deutschen Spielklasse. Wer mir nicht glaubt sollte sich einfach mal ein Spiel anschauen und dann weiß er, wovon ich rede.

Transfermarkt.de: Da sind wir sehr gespannt und vielleicht sehen wir ihn ja bald wieder beim HSV. Sie selbst sind beim SV Kapfenberg gar nicht zum Einsatz gekommen, was auch an Ihren Verletzungen lag. Was ist passiert?

Mazan Moslehe: Ich hatte leider zu der Zeit einen Knorpelschaden, der bereits zwei Jahre alt war. Ich habe damals Tennis gespielt und dabei ist ein Fremdkörper in mein Knie-Gelenk gerutscht. Dadurch wurde der Knorpelschaden überhaupt erst entdeckt, denn ich wurde nur auf Grund des Fremdkörpers im Krankenhaus untersucht. Im Zuge der Untersuchungen wurde der Knorpelschaden diagnostiziert, den ich wie gesagt schon zwei Jahre lang hatte. Drei oder vier Tage später wurde ich bereits operiert und musste sieben Monate pausieren. Nach der OP ist aber alles wieder gut verheilt, mein Knorpel ist auch fest, aber es war für mich sehr schwierig wieder in den Rhythmus zu kommen. Ich musste erst mal wieder fit werden und mich an das Team ran arbeiten und dann war die Saison eigentlich auch schon vorbei.

Transfermarkt.de: Aus Österreich kam das Gerücht auf, dass Sie im April verschwunden wären und niemand genau wisse wo Sie sind. Was war da genau los?

Mazan Moslehe: Mit dem angesprochenen Knorpelschaden habe ich keine Möglichkeit mehr gesehen, in naher Zukunft Fußball zu spielen. Daher haben wir uns darauf geeinigt, den Vertrag aufzulösen. Ich kann das auch von der Seite Kapfenbergs verstehen, denn so ist nun mal das Fußball-Geschäft. Wenn man verletzt ist und nicht mehr spielen kann, dann ist es verständlich wenn der Verein nicht weiter für einen bezahlen will. Aus dem Grund konnte ich nichts dagegen sagen. Nun habe ich das Thema aber abgehakt und will wieder voll angreifen.

Transfermarkt.de: Es ist also nichts dran, dass Sie einfach abgehauen und untergetaucht sind?

Mazan Moslehe: Nein da ist nichts dran.

Transfermarkt.de: Kapfenberg ist ein sehr kleiner Verein in der höchsten österreichischen Spielklasse. Trotzdem hat man es in der Zehner-Liga geschafft, als vorletzter die Klasse zu halten. Kann man überhaupt von einer ausgewogenen Liga sprechen, oder gibt es eine Zweiklassen-Gesellschaft, mit den sogenannten „Big Four“ Red Bull Salzburg, Austria Wien, Rapid Wien und Sturm Graz in der ersten und allen anderen Vereinen in der zweiten Klasse?

Mazan Moslehe: In Österreich ist das Gute, dass man 16 Top-Spiele hat. Man spielt gegen jede Mannschaft viermal und wie Sie gerade sagten sind die vier Vereine die Stärksten in der Liga. Das sind auch die einzigen Mannschaften, die regelmäßig International vertreten sind. Bei den Spielen gegen die Clubs kann man sich wirklich messen. Die Mannschaften dahinter wie Linz oder andere sind zwar auch gut, aber eher mit Deutschlands 2.Liga zu vergleichen. Die ersten vier würden in Deutschland sicherlich im guten Mittelfeld der 1.Bundesliga spielen und mithalten, denn die sind wirklich stark.

Transfermarkt.de: Aber Kapfenberg ist schon einer der kleinsten Vereine der Liga, oder?

Mazan Moslehe: Kapfenberg ist vielleicht sogar der kleinste Club.

Transfermarkt.de: Aber dennoch hat man es geschafft die Klasse zu halten.

Mazan Moslehe: Ja trotzdem hat man es gepackt, denn es wird dort auch gut gearbeitet. Wir haben gute Spieler und es liegt sicherlich auch am Trainer. Das ist ein richtig harter Coach, man sagt auch, es sei der härteste in Kapfenberg. Das ist einfach eine Kampf-Mannschaft dort, die nicht viel über das spielerische kommt, obwohl sie sicher nicht schlecht spielen. Aber andere Mannschaften können in den letzten 20 Minuten nicht mehr alles abrufen und das ist bei Kapfenberg anders. Die können am Ende des Spiels immer noch 100 Prozent geben.

Transfermarkt.de: Der Trainer den Sie ansprachen ist Werner Gregoritsch, man nennt ihn auch scherzhaft den Felix Magath von Österreich. Wie ist das Training unter ihm, ist es wirklich so hart?

Mazan Moslehe: Ja, er ist wirklich ein harter Trainer, aber es hilft einem selber ja nur, wenn man viel und hart trainiert. An der momentanen Situation kann man auch sehen, dass der Verein gut in der österreichischen Liga positioniert ist. Es kann einem wirklich nur helfen, auch wenn man sicherlich ab und zu denkt: „Oh nein nicht schon wieder Training.“

Transfermarkt.de: Jetzt sind Sie seit ein paar Monaten vereinslos, warum hat es im Sommer nicht mit einem neuen Club geklappt?

Mazan Moslehe: Im Sommer hatte ich einen Unfall. In der Transferperiode, wo es ja gerade darum geht einen neuen Verein zu finden, wurde ich abends, nach dem Deutschland – England Spiel, von einem Typen mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Er hat mir die Achsel-Arterie durchtrennt, die Nerven und Muskeln zerfetzt und durch die Zacken am Messer beim rausziehen auch noch alles mitgenommen. Den Angriff habe ich nur knapp überlebt, da zufällig eine Krankenschwester vorbei kam. Sonst wäre ich wohl gestorben. Ich wurde sofort sieben Stunden Not-operiert und konnte mit Glück meinen Arm behalten. Eine Stunde später hätte er amputiert werden müssen. Ich lag nach der Operation auch im Koma und danach weitere acht Tage auf der Intensivstation. Dort stabilisierte sich mein Zustand, aber ich musste noch eine Weile im Krankenhaus verbringen. Als ich dann raus kam war es mitten in der Transfer-Periode, nur da meine Hand weiterhin gelähmt war konnte ich mich nicht empfehlen. Momentan ist sie zwar immer noch gelähmt aber durch eine Spezial-Schiene kann ich wieder Fußball spielen und habe beim Sport keine Nachteile mehr.

Transfermarkt.de: Sie fangen nun also erst mal wieder neu an. In welcher Liga würden Sie sich denn selbst sehen? Ihr Bruder Ali spielt im Moment zum Beispiel beim SV Wilhelmshaven in der Regionalliga, wäre das ein Level, das Sie reizen würde oder haben Sie bereits höhere Ansprüche?

Mazan Moslehe: Ich sehe mich schon mindestens in der Regionalliga. Aber auch die 2. oder 3.Liga könnte ich mir gut vorstellen. Fürs erste jetzt in der Regionalliga anzufangen und sich dann hochzuarbeiten ist aber durchaus eine Option. Je nachdem was ich nun für Angebote bekomme.

Transfermarkt.de: Wäre es denn eine Option für Sie, mit Ihrem Bruder zusammen zu spielen?

Mazan Moslehe: Das wäre natürlich eine gute Sache, aber ich würde lieber gegen ihn spielen (lacht). Nein, das wäre sicherlich eine gute Sache, mit meinem Bruder zusammenzuspielen und vielleicht kommt es ja eines Tages auch so.

Transfermarkt.de: Selbstbewusstsein hatten Sie schon in jüngeren Jahren. Sie sagten einmal in einem Interview mit der „Welt“, dass Sie zu dem Zeitpunkt keinen der Hamburger Stürmer mögen würden, außer Änis Ben Hatira. Das ist eine mutige Aussage, schließlich standen damals unter anderem Emile Mpenza, Sergej Barbarez und Benjamin Lauth im Kader der Hamburger. War das möglicherweise im Nachhinein ein Fehler, oder gab es dafür keine Konsequenzen?

Mazan Moslehe: Nein, es gab keine Konsequenzen. Ich muss aber sagen, dass ich Barbarez auch nicht als Stürmer sondern eher als „Zehner“ gesehen habe, sonst hätte ich ihn genannt (lacht). Aber zu der Zeit haben mich die Stürmer einfach nicht angesprochen. Vielleicht sind es gute Spieler, aber ich fand sie nicht sehr überzeugend damals. Fasziniert war ich von Änis Ben-Hatira, denn der hatte eigentlich nichts, war vereinslos und kam dann zu einem Probetraining zum HSV und konnte sich dort hocharbeiten. Thomas Doll war, wie ich, begeistert von ihm und Änis wurde dann auch bei einem Hallenturnier Torschützenkönig und bester Spieler des Turniers. So hatte er schnell einen Profi-Vertrag. Auch wenn es jetzt gerade nicht so gut für ihn läuft war er für mich immer ein Vorbild, denn er hat den Sprung zu den Profis geschafft. Das gibt mir den Mut, dass ich das auch schaffen kann.

Transfermarkt.de: Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview und wünschen alles Gute für die Zukunft.

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