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05.11.2000 Alemannia Aachen – Libanon


Entnommen aus dem DFBTK (Deutscher Fußball Bund Tageskurier) vom 21.6.2000:


Frankfurt: In einer dringenden Dringlichkeitssitzung beschlossen heute unsere Obergurus Braun, Beckenbauer und Rumenigge, daß es mit der Nationalmannschaft so nicht mehr weitergehen könne. Zunächst war allerdings keinem der Herren klar, wie man das bewerkstelligen könnte, fest stand lediglich, daß man alles anders machen müßte. So könne es schließlich nicht weitergehen mit unserem fußballerischem Aushängeschild, aber das sagten sie ja schon. Nach längerem Grübeln und diversen Schnapsideen hatte schlußendlich die DFB-Allzweckwaffe Franz Beckenbauer, Weltmeister als Spieler, Weltmeister als Trainer, DFB-Botschafter bei Cosmos New York, DFB-Weltmeisterschaftbesorger und sicherlich auch Endspielschiedsrichter 2006, Ziehvater von Loddar und ewiger Besserwisser, die rettende Idee: man könne die Ehre nur wieder herstellen, wenn man die Gegner verwirren würde, denn, wie gesagt, so könne es mit dem Stolz einer ganzen Nation nun wirklich nicht weitergehen. Egidius Braun machte auch gleich einen tollen Vorschlag; "Wir könnten doch mal bei Galatasaray nachfragen, ob die nicht Lust haben für uns zu spielen. Die sind schließlich kürzlich erst UEFA-Cup-Sieger geworden, und für Fans sorgen diese Spieler bei uns auch, da haben wir doch im EM-Qualifikationsspiel in München gesehen." – "Das sind aber doch alles Ausländer. Aber vor knapp 1 ½ Jahren haben wir mit dem FC Bayern in Aachen gespielt, da spielten viele Nationalmannschaftskandidaten, und die paar Holländer und Belgier, die außerdem noch da sind, die bürgern wir schnell mal ein. Laßt uns die aber erstmal testen, damit das mit unserer Nationalelf wirklich nicht so weitergeht, denn das geht echt nicht.", antwortete Kalle und die Lichtgestalt stimmte gnädig zu. Der Gegner dieses Bewährungsspieles wird noch gesucht, Favoriten sind allerdings die Nationalmannschaft des Vatikan, sowie die etwas stärker einzuschätzenden Kicker aus dem Libanon.

Der Vatikan konnte nicht antreten, da sie im letzten Vergleich gegen die Zeugen Jehovas zuviele rote Karten kassiert hatten. Nun wissen also alle, was zuvor nur die wenigsten wußten, nämlich wie es überhaupt zu diesem hochdramatischen Zusammentreffen kommen konnte. OcheWa-Leser wissen eben einfach mehr. Wie in der Überschrift angedeutet, verdiente dieses Match tatsächlich die Bezeichnung Testspiel. Die Alemannia-Verantwortlichen wollten zunächst testen, wieviele Zuschauer sich denn zu diesem Spiel einfinden würden, wenn man mal überhaupt keine Werbung für ein Fußballspiel macht. Selbst am vorherigen Samstag beim Ligaspiel gegen Reutlingen wurde nur ganz am Rande auf das Spiel gegen den Libanon hingewiesen. Die Antwort lautet: 1.002 Hartgesottene, darunter 400 die falsche Mannschaft unterstützenden Fans waren da. Allerdings waren das 600 zuviel, nämlich alle, die für die Alemannia gekommen waren. Trainer Eugen Hach vertraute auf seine erfolgreiche Anfangsformation vom Reutlingenspiel – nicht im Geringsten. Mit Dietmar Berchtold stand lediglich ein Spieler in der Anfangsformation, der auch in der ersten Elf des Trainers steht. Alles andere waren teils Ersatz- teils Jugendspieler, die wahrscheinlich noch nicht einmal bei einem Trainingsspiel so zusammen gespielt haben. Die offizielle Begründung des Trainers war, daß er sehen wolle, wer sich ihm aufdrängt. Das ist schon äußerst logisch, wenn man bedenkt, daß eben jener Trainer teils desolate Testspielergebnisse in der Vorbereitung damit entschuldigt hat, man sei noch nicht eingespielt genug. Meiner Meinung nach kann ein junger oder nicht oft berücksichtigter Spieler seine wahre Stärke nur dann entfalten, wenn er in eine wenigstens halbwegs eingespielte Mannschaft integriert wird. So aber standen elf Mann auf dem Platz, von denen keiner wußte, was der andere nun als nächstes tun wird. Halt, es waren nur zehn Mann, denn wenigstens Christian Schmidt wußte zu jeder Minute, wo sein Platz war. Testspiel hin oder her, die Erkenntnisse, die man aus einem solchen Spiel ziehen kann, sind meiner Meinung nach sehr gering, aber sei’s drum, zurück zum Testspiel. "Wie sieht wohl unser Tivoli aus, wenn man mal nur die Geraden besetzt, und sich den Reinigungsdienst für die beiden Wälle spart.", dies war die zweite Frage, die man endlich einmal beantwortet haben wollte. Die Antwort lautet: Keine Ahnung, da aufgrund der geringen Zuschauerzahl auch die beiden Geraden reichlich verwaist aussahen. War aber trotzdem eine tolle Idee, da alle Fans, die eine Dauerkarte für den Würselener Wall besitzen, in den zusatzkostenlosen Genuß eines Spieles vom überdachten Stehplatz kamen. Na ja, zumindest in der Theorie, denn die allermeisten wurden vor den Augen des etwas verdutzten Ordnungsdienstes durch den Zaun mit bereits benutzten Sitzplatzkarten versorgt. Auch eine feine Sache. Was für die Alemanniaverantwortlichen wohl auch sehr interessant gewesen sein muß, war die Frage, wie belämmert Fans aus der Wäsche schauen können, wenn man zwar Preislisten mit diversen Angaben über Bewirtungskosten an die Essensbude hängt, dann aber von den ganzen schönen angebotenen Sachen nur die allerwenigsten auf Lager hat. "Ich hätte gerne ein Mettbrötchen!" - "Haben wir nicht" - "Schinken?" - "Nein!" - "Frikadelle?" - "Nein!" - "Ei?" - (die Findigen unter uns ahnen es schon) "Auch nicht!" - "Was habt ihr denn?" - "Käse, und später eventuell noch Fisch." Danke für das reichhaltige Angebot. Es waren jedenfalls diverse Leute, die auf diesen Käsemarketing-Trick hereingefallen sind. Später wollte man das jedoch noch toppen, und drehte kurz vor der Halbzeit den Bierhahn zu. Begründung: "Das Faß ist leer, und ein neues lohnt sich nicht mehr". Dann stelle ich doch einen oder zwei Kästen in die Bude, um überhaupt noch Geld verdienen zu können. Na ja, sie müssen’s ja wissen.

Beim Anpfiff konnte man feststellen, daß auch Eugen Hach um keinen Test verlegen war. Statt des normal praktizierten 4-4-2/4-3-3 Systems versuchte der Trainer diesmal die Formation Kuddelmuddel. Für dieses System waren die gewählten Spieler allerdings goldrichtig. So kamen die Asiaten zu diversen Chancen, unter anderem auch zu Kopfbällen, was jedoch grundsätzlich verwunderlich ist, da die in rot Spielenden alle mindestens einen Kopf kleiner waren als ihre schwarz-gelben Gegner. Jedenfalls waren die Libanesen in allen Belangen überlegen. Auf der rechten Seite der Sparkassentribüne war die Stimmung deswegen, auf der linken trotzdem lustig. Zwischenzeitlich mußte man den Fans gegenüber mal im wahrsten Sinne des Wortes zeigen, wofür Sitzen gut ist... Doch genug von diesen blanken Tatsachen. Die "Libanonesen" (O-Ton eines älteren Herren weiter rechts) erzielten jedenfalls zwischen Minute 37 und 39 durch Morgenstern und Mohammed eine 2:0 Führung; Wetten, daß einer der beiden bald in Aachen spielt, wurden sofort eingegangen. Dem oben beschriebenen Abpfiff an der Bierbude folgte der Halbzeitpfiff auf dem Rasen. In dieser Halbzeit nahm man Kontakt zu den Libanonfans auf, und erfuhr, daß zwei Autobesatzungen aus Karlsruhe angereist waren. Ein Wiedersehen beim Pokalspiel würde es aber nicht geben, da die: "Nicht zu einem Verliererklub gehen." Diverse Wechsel ohne Wirkung auf beiden Seiten zerpflückten das zarte Pflänzchen eines kontrollierten Spielaufbaus endgültig, die zweite Halbzeit versank in Planlosigkeiten. In der 68. Minute gab der Schiri noch einen Foulelfmeter für den Libanon, den Sahin (vielleicht kommt auch der, schließlich hätten wir mit dem in Mannheim u.U. nur 1:3 verloren) verwandelte. Dat war‘s zum Spiel. Hinterher blieb nurmehr der Gang in die nächste Kneipe, sowie die Freude darüber, für dieses Scheißspiel nicht bezahlt zu haben. Eugen Hach zeigte keine Freude, sondern reagierte recht empfindlich auf diese Leistung der schwarz-gelben Kicker. Von diesen Spielern nahm er nur Bayock und Berchtold mit nach Karlsruhe zum Pokalspiel.

Fazit: Die Offiziellen des DFB waren so nicht zu überzeugen, deshalb schickten sie "nur" ihre Damen zu einem Länderspiel auf den Tivoli. Die Idee durch keine Werbung für das Spiel für ein Geisterspiel zu sorgen, hat Ihnen jedoch gut gefallen, somit wurde das auch für dieses Damenländerspiel gegen Dänemark so gehandhabt.

We never walk alleng...
- Martinellis Erben -


Quelle: Blutgrätsche

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