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Am liebsten würde ich zu Manchester City wechseln

Eine alte Weisheit im Nahen Osten besagt: „Geduld ist der Schlüssel zur Freude“. Auf kaum einen Profifußballer trifft sie wohl derzeit besser zu als auf Daniel Zeaiter. Der 22-jährige gebürtige Bad Homburger gehört seit dem Sommer 2016 dem Spielerkader des MSV Duisburg an. Als Ersatztorwart muss Zeaiter jedoch auf seine Chance warten. Weil der Schlussmann aus dem Hochtaunus libanesische Wurzeln hat, eröffnen sich ihm aber noch ganz andere Möglichkeiten: 2015 wurde Zeaiter in den Kader der libanesischen Nationalmannschaft berufen: für das WM-Qualifikationsspiel gegen Laos und das Freundschaftsspiel gegen Mazedonien. Er kam jedoch nicht zum Einsatz.

Die Geduld ist die neben sportlicher Fitness am meisten geforderte Eigenschaft, die Zeaiter benötigt. Als zweiter oder gar dritter Torhüter der Duisburger „Zebras“ ist er bisher bei Pflichtspielen in der 2. Liga über einen Einsatz in der zweiten Spielhälfte bei Jahn Regensburg nicht hinausgekommen. Am 25. November des vergangenen Jahres wurde er in der 46. Minute eingewechselt, weil der niederländische Stammtorhüter Mark Flekken verletzt ausgeschieden war und Daniel Davari verletzt fehlte.

Das gerade für einen Torhüter wenig erfreuliche Ergebnis dämpfte die Freude jedoch: Es stand schon bei Halbzeit 3:0 für die Regensburger, und der athletische Schlussmann aus der Kurstadt – 1,88 Meter groß und 85 Kilogramm schwer – kassierte in der zweiten Hälfte noch einen weiteren Treffer zum 4:0-Endstand.

Kein Einstand, wie ihn der junge Homburger sich gewünscht hätte. Mit Mark Flekken, der auch erst 24 Jahre alt ist, hat er zudem einen der besten Torhüter der 2. Liga vor sich. Dennoch hat sich der gebürtige Bad Homburger mit dem Dauerzustand als Einwechselspieler gut arrangiert: „Ich bin mit mir selbst im Reinen. Wenn es nicht klappt, habe ich mir nichts vorzuwerfen, da ich immer im Training mein Bestes gebe“, sagt Daniel Zeaiter.

Auch aus seinem Glauben sowie der Unterstützung durch Familie und Freundin schöpfe er die nötige Kraft. Und als Keeper müsse man sowieso „psychisch speziell gestrickt sein“, denn auch, wenn man dann eingesetzt wird, „ist man entweder der Depp oder der Superstar“. Viel Glück gehöre als Fußballtorwart eben dazu. Einer der besten Tormänner aus dem Hochtaunus ist er allemal.

Daniel Zeaiter begann mit dem Sport bei der SG Ober-Erlenbach im Bad Homburger Osten und kam als Jugendspieler über die SG Rosenhöhe Offenbach und Darmstadt 98 zum FSV Mainz 05. Dort debütierte er im Oktober 2015 unter Trainer Sandro Schwarz in der U 23 gegen den VfL Osnabrück in der 3. Liga.

Was den heutigen Bundesligatrainer der Nullfünfer betrifft, hat er nur positive Erinnerungen: „Es war die beste Entscheidung damals für mich, nach Mainz und zu Trainer Sandro Schwarz zu wechseln. Das familiäre Umfeld dort hat mir für meine persönliche Entwicklung sehr viel gegeben.“ Dies alles sei jedoch nur durch die Hilfe seiner Eltern möglich gewesen, die über die Jahre zigtausend Kilometer gefahren seien, um ihn zu Spielen oder Training zu bringen.

Ein Zweijahresvertrag führte ihn dann im Sommer 2016 zum MSV Duisburg, damals noch in der 3. Liga spielend. Beim Traditionsverein im Ruhrgebiet fühle er sich ebenfalls pudelwohl, sagt Zeaiter. Mit seiner Freundin wohnt er in einer gemütlichen Wohnung – sein Rückzugsgebiet, in dem er abschalten könne. Vergangene Saison war er dann beim Aufstieg in die 2. Liga dabei. Das Team der „Zebras“ sei dadurch noch stärker zusammengewachsen, erzählt der 22-Jährige, der starke siebte Tabellenplatz belegt diese Aussage.

Obwohl es zwischen der Mentalität der Menschen im Rhein-Main-Gebiet und Ruhrpott durchaus Unterschiede geben kann, seien die Verhältnisse beim FSV Mainz mit denen beim MSV Duisburg vergleichbar. Es gebe ein starkes Bestreben, Gemeinschaftssinn zu pflegen und Identifikation mit dem Verein herzustellen. Im Übrigen habe der Traditionsverein eine großartige Fankultur, die schon erstligareif sei, schwärmt Zeaiter. Nach oben wolle der Verein auch wieder, „zumindest langfristig“, wie Zeaiter sagt. Mehr als 15 000 Zuschauer besuchen die Heimspiele der Zebras im Durchschnitt.

Ob er die Entwicklung des MSV weiterhin hautnah mitverfolgen kann? Zeaiters Vertrag läuft zum 30. Juni aus. Ob und wo es weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen. „Am liebsten würde ich zu Manchester City wechseln“, sagt der junge Torhüter mit viel Selbstironie, und ernsthaft: „Derzeit ist noch alles offen. Aber wenn alles passt, würde ich gern beim MSV verlängern und meinen Weg dort weitergehen.“

Die Kontakte in seine Geburtsstadt Bad Homburg ließ Zeaiter nie abreißen, schon deshalb, weil seine Familie dort weiterhin lebt. Auch den Verein, aus dem er stammt, die SG Ober-Erlenbach, hat er im Blick. „An spielfreien Wochenende bin ich immer mal wieder bei Spielen der Kreisoberliga-Mannschaft dabei. Dort kenne ich fast alle, mit vielen Spielern habe ich in der Jugend zusammengespielt“, erzählt Daniel Zeaiter. Sein 13-jähriger Bruder Gabriel – kein Torwart, sondern Innenverteidiger – spielt in der Jugend der SGO und gilt als talentiert. Seine Entwicklung verfolgt er besonders interessiert.

Wie könnte das Zwischenfazit der Fußballkarriere des Daniel Zeaiter lauten? Er ist auf jeden Fall nicht unzufrieden mit seiner Situation. „Vor einigen Jahren hätte ich ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn man prophezeit hätte, dass ich einen Profivertrag als Zweitligaspieler erhalte. Ich werde dranbleiben und glaube fest daran, dass ich meine Chancen noch bekomme.“
Wer weiß, vielleicht wird es sogar eine internationale Laufbahn. Der MSV Duisburg hatte den Schlussmann als U-23-Spieler gemeldet, um das vorgeschriebene Kontingent an jungen Spielern zu erfüllen. Deshalb waren weitere Berufungen in die Nationalmannschaft nicht möglich.

Aus diesem Alter ist Daniel Zeaiter am 30. März aber raus. Und die nächste Asien-Meisterschaft findet im Januar 2019 in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Der Libanon ist bereits qualifiziert.

Dieser Bericht erschien auf www.taunus-zeitung.de und ist von Wolfgang Kullmann.

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