Donnerstag, 3. Februar 2011

Raychouni: „Die asiatischen Ligen sind besser als ihr Ruf“




Ich habe mit dem Libanesen Mounier Raychouni, der seit Anfang dieser Saison in Singapur bei Woodlands Wellington spielt, ein Interview für transfermarkt.de und www.lebanfootball.blogspot.com geführt.

Der 24-Jährige Mounier Raychouni (Foto) spielt seit Anfang des Jahres 2011 für Woodlands Wellington, die in der 1.Liga von Singapur aktiv sind. Was sich der offensive Mittelfeldspieler von dem Wechsel nach Asien erhofft, wie seine Karriere bisher ablief und warum es noch nicht mit einem Pflichtspiel-Einsatz für die libanesische Nationalmannschaft geklappt hat, besprach Raychouni mit Younes Simmo (patavino).

Transfermarkt.de: Wann haben Sie mit dem Fußball angefangen?

Mounier Raychouni:
Ich habe das Fußballspielen schon immer geliebt. Der Ball war stets etwas Besonderes für mich. Neben dem Kindergarten in dem ich war, gab es glücklicherweise einen Fußballverein. Ich bat meine Eltern, mich dort anzumelden und das taten sie auch.

Transfermarkt.de: Wie hieß denn der Verein bei dem Sie begonnen haben?

Mounier Raychouni: Das waren die S.C. Berliner Amateure 1920.

Transfermarkt.de: Sie haben dann in der Jugend von Tennis Borussia Berlins gespielt. Wie kamen Sie zu TeBe Berlin?

Mounier Raychouni: Ich habe vorher in der B-Jugend vom 1.FC Wilmersdorf gespielt. Unser damaliger Trainer bekam dann ein Angebot von TeBe Berlin, das er annahm. Daraufhin bot er mir an, ihm zu folgen, was ich dann auch getan habe.



Transfermarkt.de: Beim Torgelower SV Greif spielten Sie dann zum ersten Mal in einer Herrenmannschaft. Wie haben Sie die Zeit dort erlebt?

Mounier Raychouni: Ich habe die Zeit dort sehr genossen, musste dafür aber auch viel auf mich nehmen. Da Torgelow mehr als 200 km von Berlin entfernt ist bin ich sogar umgezogen. Ich bekam vom Verein aber eine Wohnung gestellt und konnte eine Ausbildung bei einem Sponsor des SV Greif machen. Wir hatten zudem eine tolle Atmosphäre im Club. Die Spieler und Trainer waren sehr nett und auch das ganze Umfeld war angenehm. Die Erfahrung in Torgelow hat mir sehr gut getan.

Transfermarkt.de: Sie haben in Deutschland bisher nur in den Oberligen gespielt. Warum kamen Sie nicht höher?

Mounier Raychouni: Mein Interesse an höherklassigem Fußball habe ich entdeckte, als ich bei Torgelow gespielt habe. Dort wird der Fußball gelebt und es gibt ein richtiges Umfeld, mit Fans und Zeitungen, die über den Verein reden und berichten. Zudem läuft dort alles sehr professionell ab Es hat mir in Torgelow Spaß gemacht, Fußballer zu sein. In Berlin gibt es hingegen zu viele Vereine und zu viele Ligen. Da wird einem einzelnen Club nicht so viel Beachtung geschenkt. Ich kenne zudem viele Spieler aus Berlin, denen gesagt wurde, dass sie es sehr weit bringen werden. Aber die meisten kamen allerhöchstens auf Oberliganiveau. Man braucht natürlich auch viel Glück und gute Verbindungen um schnell hochzukommen. Meine Trainer in Torgelow und Preussen haben mich immer wieder motiviert weiterzumachen. Auch wenn es Rückschläge gab habe ich nie aufgegeben. Ich konnte allerdings lange Zeit nicht Profi werden, da ich zuerst wichtige Dinge wie meine Schule und meine Ausbildung zu Ende bringen musste. Nachdem ich damit fertig war, habe ich mich komplett auf den Fußball eingelassen. Zum Glück hat alles geklappt. Ich habe den ersten Schritt gewagt und nun sollen weitere folgen.

Transfermarkt.de: Im Sommer 2009 haben Sie am Training von Nejmeh Beirut teilgenommen. Hatten Sie wirklich vor, im Libanon zu spielen?

Mounier Raychouni: Ich wollte es mir zumindest anschauen. Ich kannte Emile Rustom, der damals Trainer von Nejmeh und der Nationalmannschaft war, schon vorher und er lud mich dann zum Training ein. Während ich an den Übungen teilnahm kamen immer wieder Spieler aus aller Welt zu Probetrainings. Letztendlich wurden aber alle außer mir wieder nach Hause geschickt. Ich bekam zudem noch ein Angebot von Al Mabarrah musste aber beide ablehnen, da mir zu wenig geboten wurde.


Transfermarkt.de: Sie haben schon am Training der libanesischen Nationalmannschaft teilgenommen. Warum kam es nicht zu einem Länderspiel?

Mounier Raychouni: Damals, als ich bei Torgelow gespielt habe, wollte ich mehr. Ich hatte diesen Willen, alles auszuprobieren. Ich kontaktierte den libanesischen Fußballverband und man sagte mir, dass ich kommen könne. Als ich im Sommer, wie jedes Jahr, im Libanon war, habe ich dann mit der Nationalmannschaft trainiert. Zum gleichen Zeitpunkt war auch Roda Antar beim Training. Ich hatte wirklich gute Tage dort. Der Manager des Verbandes kam auf mich zu und sagte mir, dass er von mir begeistert sei und er mich gerne im Nationaltrikot sehen würde. Ich trainierte noch drei weitere Wochen mit, musste zum Saisonstart aber wieder nach Deutschland zum Torgelower SV Greif zurück. Zum Anfang der Qualifikation für die Asienmeisterschaft 2007 wurde mir dann mitgeteilt, dass ich an den Qualifikationsspielen teilnehmen soll. Leider ist dann aber der Krieg ausgebrochen und der Libanon musste sich aus der Qualifikation zurückziehen. Später bekam ich einen Anruf von Rustom. Er wollte mich für die U20-Nationalmannschaft haben. Ich habe eingewilligt, musste dann aber leider wieder absagen, weil ich noch in der Ausbildung gesteckt habe. Ich konnte letztendlich nur ein Freundschaftsspiel gegen Nejmeh Beirut mitmachen.

Transfermarkt.de: Haben Sie noch Kontakt zur Nationalmannschaft? Die U23 nimmt an den Qualifikationsspielen für Olympia 2012 in London teil. Werden wir Sie bei der Nationalmannschaft sehen?

Mounier Raychouni: Zu Manager Hassan Shakuri, der mich damals beim Training der Nationalmannschaft ansprach, habe ich immer noch guten Kontakt. Als ich ihm gesagt habe, dass ich nun in Singapur unter Vertrag stehe, war er sehr glücklich. Er sagte mir, dass es der richtige Schritt sei und ich gute Chancen habe, wieder in die U23 reinzukommen, die ebenfalls von Rustom geleitet wird. Wir sind so verblieben, dass ich ihm ein paar Fotos und Videos von mir schicke und höchstwahrscheinlich im Sommer wieder mit der Nationalmannschaft trainieren werde.

Transfermarkt.de: Also haben Sie noch vor, für den Libanon zu spielen?

Mounier Raychouni: Aber klar. Es würde mich und meine Familie sehr stolz machen, wenn ich für den Libanon auflaufen würde.

Transfermarkt.de: Anfang 2011 sind Sie nach Singapur zu Woodlands Wellington gewechselt. Was erhoffen Sie sich von dem Transfer?

Mounier Raychouni: Woodlands ist genau die Chance, auf die ich gewartet habe. Ich hoffe natürlich, dass ich viele gute Spiele mit der Mannschaft bestreiten kann. Ich möchte hier weiterkommen und mich für bessere Clubs im In- und Ausland von Singapur empfehlen.

Transfermarkt.de: Wie kam es überhaupt zum Kontakt nach Singapur?

Mounier Raychouni: Ich hatte einen kanadischen Vereinskollegen in Torgelow, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe. Er hat auch viele Nächte bei uns in Berlin übernachtet und wir haben immer noch einen guten Draht. Er sagte mir, dass ich mich bei einem bestimmten Berater melden soll, der wisse dann Bescheid. Das habe ich getan und wurde schon am nächsten Tag zurückgerufen.

Transfermarkt.de: Können Sie sich vorstellen, längerfristig in Fernost tätig zu sein?

Mounier Raychouni: Ja, auf jeden Fall. Es heißt ja „Asia is the future“ und so sehe ich das auch. Asien hat viele schöne Länder, in denen guter Fußball gespielt wird. Es wäre schön, wenn ich viele weitere Jahre hier spielen könnte.

Transfermarkt.de: Könnten Sie sich sogar vorstellen, nur noch in Asien unterwegs zu sein?

Mounier Raychouni: Ja klar, denn ich habe es sehr gut hier. Als Moslem findet man in Singapur alles, was man braucht. Es gibt Moscheen und Läden die Halalwaren verkaufen. Ich muss auf nichts verzichten. Wenn es aber bessere Angebote geben sollte, werde ich diese natürlich annehmen.

Transfermarkt.de: Können Sie vom Gehalt in Singapur gut leben?

Mounier Raychouni: Ich kann von dem Gehalt gut leben. Der Verein hat mir zudem eine Wohnung zur Verfügung gestellt, für die ich nichts bezahlen muss.

Transfermarkt.de: Welcher Trainer war für Sie bisher der beste?

Mounier Raychouni: Ich würde gerne zwei erwähnen. Eckhard Ehrke vom Torgelower SV Greif und Jörg Schwanke, mein Trainer von Club Italia. Ein Ex-Profi aus der 2.Bundesliga. Beide waren sehr gute Trainer. Ehrke hat mir sehr viel Vertrauen geschenkt und war immer von mir überzeugt. Er war eine wichtige Vertrauensperson für mich. Schwanke ist ein sehr kluger Coach, der sehr viel auf Taktik setzt. Er weiß, wie er seine Spieler einsetzen muss, um Erfolg zu haben. Er ist noch Jung und kann sehr erfolgreich werden.

Transfermarkt.de: Was halten Sie von Youssef Mohamad vom 1.FC Köln?

Mounier Raychouni: Er ist ein super Spieler. Bis vor kurzem war er sogar Kapitän beim FC. Er bringt regelmäßig gute Leistungen und hat es verdient, soweit gekommen zu sein.

Transfermarkt.de: Der erste Libanese in der Bundesliga war Roda Antar. Was halten Sie von dem?

Mounier Raychouni: Für ihn gilt ähnliches wie für Mohamad. Er hat bewiesen, dass er ein super Fußballer ist. Unvergesslich ist sein Fallrückzieher (lächelt). Ich finde es schade, dass er nicht mehr in Deutschland spielt. Aber auch die chinesische Liga ist keine schlechte. Viele Menschen in Europa denken schlecht von den asiatischen Ligen. Dabei sind sie besser als ihr Ruf. Man nehme nur Shinji Kagawa als Beispiel. Der kam aus der 2. japanischen Liga und ist in Dortmund wie eine Bombe eingeschlagen. An Mohamad und Antar kann man erkennen, wie der Fußball manchmal ist. Beide kamen aus der relativ unbekannten libanesischen Liga und haben sich trotzdem lange in Deutschland gehalten.

Transfermarkt.de: Wie bewerten Sie Ihren eigenen Spielstil?

Mounier Raychouni: Ich bin eher ein Spieler, der in der Defensive mitarbeitet. Ich bin kein Stürmer oder Spielmacher. In Singapur stehe ich als Innenverteidiger auf dem Platz und mache meine Sache dort ganz gut. Es ist zwar etwas neues, aber es ist nicht schlecht. In Deutschland habe ich häufiger im defensiven Mittelfeld oder auf den Außen gespielt, da ich sehr schnell bin. Immer wenn ich als Außenverteidiger aufgelaufen bin, habe ich für viel Druck auf meiner Seite gesorgt und bin oft mit nach vorne marschiert. Als Sechser konnte ich viele direkte Duelle gewinnen und auch viel am Spiel nach vorn teilhaben.


Transfermarkt.de: Gibt es eine Mannschaft, die Sie schon seit langem favorisieren?

Mounier Raychouni: Ich mag Juventus Turin wegen Alessandro Del Piero. Den finde ich schon seit meiner Kindheit gut.

Transfermarkt.de: Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade Fußball spielen?

Mounier Raychouni: In Singapur sitze ich meistens vor dem Laptop und nehme Kontakt mit meinen Freunden und meiner Familie in der Heimat auf. Zudem kochen und entspannen wir oft. Außerdem gehe ich dreimal in der Woche ins Fitnessstudio und bin häufig schon eine Stunde vor dem Mannschaftstraining auf dem Vereinsgelände und trainiere für mich alleine.

Transfermarkt.de: Wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft.

Quelle: www.transfermarkt.de

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