Mittwoch, 25. Januar 2012

Libanon setzt auf VAE-Trio



Das erstaunlich gute Abschneiden Libanons in der bisherigen Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™ hat den Marktwert der libanesischen Nationalspieler in die Höhe schnellen lassen. Einige von ihnen nutzten diesen Umstand, um eine Profi-Karriere im Ausland zu wagen. Davon dürfte wiederum auch der einheimische Fussball profitieren, da Libanons Legionäre dadurch die Möglichkeit bekommen, sich mit der internationalen Konkurrenz zu messen.

Der Sieg der libanesischen Nationalmannschaft über die Vereinigten Arabischen Emirate vom September des vergangenen Jahres hat beim Wechsel dreier libanesischer Nationalspielern in die Liga der VAE sicher eine Rolle gespielt. Während der Abwehrrecke Youssef Mohamad bei Al Ahli unterschrieb, entschieden sich der talentierte Hassan Maatouk für den Klub Ajman und sein Mittelfeldkollege Abbas Atwi für Dubai.

Rund einen Monat vor dem erneuten Aufeinandertreffen der beiden Nationalteams im Rahmen der dritten WM-Qualifikationsrunde der Asien-Zone am 29. Februar in Abu Dhabi sprach FIFA.com exklusiv mit den drei Libanesen über die Chancen ihrer Mannschaft in dieser entscheidenden Partie.

Eine schwere Aufgabe
Atwi, Maatouk und Mohamad sind sich darin einig, dass ihnen ein schweres Spiel bevorsteht. Der Ausgang der Partie wird von entscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf der Asien-Qualifikation sein. Libanon steht derzeit in Gruppe B hinter der Republik Korea nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz auf Platz zwei. Demnach würde den Libanesen gegen die VAE bereits ein Unentschieden reichen, um zum ersten Mal überhaupt in die vierte und letzte Runde der Asien-Qualifikation einzuziehen.

Für Youssef Mohamad wird diese "Begegnung die Entscheidung bringen. Es wird kein leichtes Spiel, und was uns betrifft, so dürfen wir unseren Gegner auf keinen Fall unterschätzen. Andererseits weiß unser Trainerstab unter der Leitung von Theo Bücker sehr genau, wie wir diese Partie angehen müssen."

"Die Vereinigten Arabischen Emirate haben bereits keine Chance mehr auf die WM-Qualifikation, so dass sie ohne jeglichen Druck in dieses Spiel gehen können. Das ist nicht gerade ein Vorteil für uns. Sie werden alles daran setzen, um nach ihren Niederlagen in allen vorangegangenen Spielen ein anderes Gesicht zu zeigen."

Falls es Kuwait in Seoul gelingt, die Republik Korea zu schlagen, hätte die libanesische Nationalmannschaft den Einzug in die vierte Qualifikationsrunde sogar noch vor dem Anpfiff der eigenen Partie bereits sicher.

Hassan Maatouk sieht dieses Fernduell so: "Wir haben den Vorteil, dass die Begegnung zwischen der Republik Korea und Kuwait zeitlich vor unserem Spiel ausgetragen wird. Außerdem besitzen wir von der Platzierung her beste Chancen, uns für die nächste Runde zu qualifizieren. Es liegt also ganz bei uns selbst, deshalb müssen wir uns über die Bedeutung dieser Partie absolut im Klaren sein."

Nach Auffassung von Abbas Atwi muss Libanon dabei alles versuchen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, und zwar unabhängig vom Ausgang des anderen Spiels. "Das Wichtigste für uns ist, dass wir nicht verlieren. Anstatt an die andere Begegnung zu denken, müssen wir uns auf unser eigenes Spiel konzentrieren."

Erfahrung wird den Ausschlag geben
Das libanesische Trio wird dabei zweifellos auf die Erfahrungen, die es bislang in der VAE-Liga gemacht hat, bauen können. Der nach einer Verletzung wieder genesene Youssef Mohamad ist bei Al Ahli inzwischen Stammspieler. Und während Hassan Maatouk längst zu den wichtigsten Stützen bei Ajman zählt - die Statistik weist für ihn bisher sechs Treffer in 14 Pflichtspielen aus -, hat auch Abbas Atwi bei seinem neuen Klub in Dubai rasch Fuß gefasst und gleich bei seinem ersten Einsatz gegen Al Wasl den Siegtreffer erzielt.

Mohamad weiß um die Bedeutung dieses Kriteriums. "Dadurch, dass wir bei Klubs der Vereinigten Arabischen Emirate unter Vertrag stehen, kennen wir natürlich auch das Niveau der dortigen Nationalspieler. Das ist für uns im Hinblick auf das bevorstehende WM-Qualifikationsspiel sicher ein Vorteil. Allerdings hat es im VAE-Team seit unserem Sieg in Beirut zahlreiche Veränderungen gegeben. Daher sollten wir vorsichtig sein und den Tag nicht schon vor dem Abend loben."

Atwi legt seinerseits großen Wert darauf, seine persönlichen Erfahrungen an seine Mitspieler im Nationalteam weiterzugeben. "Das, was wir bisher in den VAE an Erfahrung sammeln konnten, wird uns sicher von Nutzen sein, zumal wir jetzt wissen, wie die Fussballer in diesem Land denken und wie sie spielen. Deshalb müssen wir genau das auch unseren Teamkameraden vermitteln, damit sie diese Begegnung voller Selbstvertrauen angehen."

Maatouk wiederum hält die Tatsache, dass er am Persischen Golf aktiv ist, für ein zweischneidiges Schwert. "Sicher, dadurch ist uns das Niveau der gegnerischen Spieler weitgehend bekannt. Andererseits sollten wir aber auch nicht vergessen, dass sie uns ebenfalls gut kennen. Unter dem Strich besteht jedoch keinerlei Zweifel darüber, dass die Nationalmannschaft von unserem Engagement im Profifussball profitieren wird. Und natürlich hoffen wir, dass wir auf diesem Weg weiter vorankommen können."

Wird ein Traum bald Wirklichkeit?
Während Atwi und Maatouk in den Vereinigten Arabischen Staaten ihre ersten Auslandserfahrungen überhaupt erleben, ist es für Youssef Mohamad bereits die dritte Station in einer ausländischen Liga. Der 31-jährige Abwehrspieler ist derzeit guter Hoffnung, sich den Traum seines Lebens zu erfüllen und sich mit seinem Land für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™ zu qualifizieren.

Dazu der frühere Verteidiger des SC Freiburg und des 1. FC Köln: "Selbst in der Zeit, als ich nicht für die Nationalmannschaft nominiert war, träumte ich davon, einmal einen großen Erfolg auf der internationalen Bühne zu landen. Für uns wäre der Einzug in die vierte Qualifikationsrunde ein riesiger Schritt dahin, zumal es Libanon bislang noch nie so weit geschafft hat."

"Wenn wir wollen, dass dieses Abenteuer noch nicht zu Ende ist, müssen wir diesen Weg konsequent fortsetzen. Dies gilt für die Verantwortlichen unseres Fussballverbandes ebenso wie für den Trainerstab und die Spieler. Falls wir die vierte Qualifikationsrunde erreichen, sollten wir noch fester an unsere Möglichkeiten glauben. Denn im Fussball ist bekanntlich alles möglich, vor allem dann, wenn man seriöse Arbeit leistet."

"Unser Trainer ist bestens mit der Mentalität des libanesischen Fussballs vertraut. Wir verfügen über eine Reihe guter Spieler, die förmlich darauf brennen, sich beweisen zu können. Ich hoffe, dass auch ihnen der Sprung in den Profifussball gelingen wird, damit sie Libanon in den kommenden Jahren würdig vertreten können."

Bereits im nächsten Monat kommt es zur Konfrontation zwischen den Hoffnungen von Youssef Mohamad und der harten Wirklichkeit der im Fussball herrschenden Gesetze. Als sicher gilt indes schon jetzt, dass die Partie gegen die Vereinigten Arabischen Emirate aller Voraussicht nach ein entscheidender Meilenstein für die weitere Entwicklung des libanesischen Fussballs sein wird.

Quelle: Fifa.com

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